Meine Erfahrungen nach 3 Monaten im Barcelona Atelier – Großer Bericht!

Juni 27, 2016 Ausland

Meine Erfahrung: 3 Monate Illustration im Barcelona Atelier,
school of realist arts.

Nach drei Jahren als freischaffende Grafik Designerin wollte ich nun endlich meinem Wunsch als Illustratorin arbeiten zu können, nachgehen. Aber wie viele andere Zeichner, hielt auch ich mein illustratives Portfolio noch immer nicht für gut genug, um mich damit zu bewerben.

Außerdem war es schon immer mein Wunsch, das Handwerk des realistischen Zeichnens zu beherrschen, was sowohl im Kunst LK meines Gymnasiums, als auch im Designstudium viel zu kurz kam.

Nachdem ich innerhalb eines Jahres immer wieder nach einer Schule gesucht hatte,  habe ich mich für das Barcelona Atelier of realist arts entschieden, da es für mich das beste Preis/Leistungsverhältnis bot.

Vom 11.04.-24.06.2016 war ich in Barcelona und sammelte viele neue Eindrücke und Erlebnisse, aber vor allem bekam ich sehr viel Input im Hinblick auf  Zeichen-Techniken. Ich glaube, ich habe über das Zeichnen in den letzten Monaten mehr gelernt, als in meiner ganzen Schul-, Praktikums- und Studienzeit zusammen. Es war jedoch nicht leicht in kurzer Zeit eine bezahlbare Wohnung zu finden und mit dem Mix aus Spanisch, Katalanisch und Englisch zurecht zu kommen.

Draußen scheint die Sonne und es ist nicht weit zum Meer, doch ich stehe in einem kühlen Atelierraum mit künstlichem Licht,  in dem mir gleich in der ersten Stunde erklärt wird, dass ich meinen Bleistift ganz falsch halte. Außerdem hatte ich Materialien und spezielles Papier zu besorgen, was ich so noch nie benutzt hatte. Gemütlich sitzen? Fehlanzeige, ein richtiger Künstler zeichnet im stehen, was in den ersten zwei Stunden noch ok war, nach der dritten Stunde beginnen Füße, Arme und Rücken zu schmerzen plus dem Gefühl mit Links zu zeichnen, da ich die korrekte Haltung des Stifts nicht gewöhnt war. Nach sechs Stunden fühlt man sich wie nach einem Tag kellnern und bekommt das freundliche Angebot des Schulleiters noch zwei Stunden länger zu bleiben um schneller voran zu kommen. Ich zeichne schon mein ganzes Leben lang, doch mir wird bewusst, wie schwer es mir noch immer fällt Dinge 100% realistisch wiederzugeben.

Der Kurs orientiert sich an der Zeichenschule von Carles Bargue

 

 

Ich beginne mit der Kopie einer Ferse

 

Illustration Julia Bittruf Barcelona 2016

Illustration Julia Bittruf Barcelona 2016

 

5 Schritte zum realistischen Zeichnen

1. Die Schulung des Striches

Bzw. erstmals versuche ich in der ungewohnten Haltung gerade und vor allem weiche und zarte Linien zu ziehen.

2. Die Schulung des Blickes

Mit einer roten Schnur an dem ein Gewicht hängt, ist es mir erlaubt das Maß von 3-4 Punkten zu nehmen. Dann wird versucht die Proportionen mit Augenmaß zu übertragen. Die Lehrer korrigieren Schritt für Schritt und zeigen mir, welches Flächen oder Formenverhältnis einen Millimeter zu groß oder zu klein ist. Ziemlich depremierend wenn man Stundenlang an den Grundformen einer Ferse bastellt.

3. Das Wahrnehmen von weichen und harten Konturen

Meine leichteste Übung, die sogenannte Wurstlinie, eine Linie die wacklig, zu dick und unerotisch aussieht. Diese Linien werden vom Lehrer wieder entfernt und man darf es nochmal versuchen.

4. Das Wahrnehmen von Schattenlinien

Um zu verstehen, wo genau die Schattenlinie sein muss, warum und wieso sie bitte zu beiden Seiten weich gezeichnet werden muss hat mich mehrere Wochen gekostet. Denn so wie ich normalerweise an die Sache ran gegangen bin, führt nicht zum optimalen Ergebnis und ist dazu noch nicht effizient genug.

5. Das Wahrnehmen von Halbtönen

Die Halbtöne zu setzen viel mir etwas leichter. Doch dann muss man noch die Weichheit und den Umfang und das Verhältnis der Tonwerte in die richtige Ordnung bringen.

 

Als Zweite Übung beginnen wir mit Aktzeichnen

Illustration Julia Bittruf Barcelona 2016

Illustration Julia Bittruf Barcelona 2016

 

Und auch hier ist es alles andere als egal wo die Staffelei steht, wo das Papier klebt, von welcher Position aus man die Figur betrachtet  und wie man Maß nimmt. Dass ich trotz mehrerer Aktzeichnenkurse in Deutschland davon bis dato noch nichts wusste, machte mich fast etwas sauer. So geht das also….

Trotz dieser Erkenntnis war mein Strich noch immer katastrophal und ich ertappte mich dabei wie ich ständig zu meiner gewohnten Haltung übergehen wollte.

Drei Stunden am Tag, mit Pausen von 5-15 Minuten für das Modell, zeichneten wir an einer Pose.

Brague Nummer 2

Illustration Julia Bittruf Barcelona 2016

Illustration Julia Bittruf Barcelona 2016

Illustration Julia Bittruf Barcelona 2016

Illustration Julia Bittruf Barcelona 2016

Illustration Julia Bittruf Barcelona 2016

Illustration Julia Bittruf Barcelona 2016

Die zweite Brague Studie viel mir schon etwas leichter und inzwischen fühlt sich die Haltung des Stiftes normal an.
Ich bin mit dem Ergebnis der Zeichnung zufrieden.

b002_web

Illustration Julia Bittruf Barcelona 2016

 

Aktzeichnen:

Illustration Julia Bittruf Barcelona 2016

Illustration Julia Bittruf Barcelona 2016

Illustration Julia Bittruf Barcelona 2016

Illustration Julia Bittruf Barcelona 2016

Ich soll das Format der Zeichnung vergrößern, was gar nicht so einfach ist….
aber am linken Arm des 2. Aktes beginne ich endlich die Sache mit der weichen Schattenlinie zu verstehen.

Cast ( Zeichnen nach Gipsabguss)

Illustration Julia Bittruf Barcelona 2016

Illustration Julia Bittruf Barcelona 2016

nase_web

Illustration Julia Bittruf Barcelona 2016

Das Zeichnen mit Kohle in verschiedenen Härtegeraden und ordentlich angespitzt war mir auch neu. Dazu das Anschauen des Gibsabgusses aus der Entfernung. Man merkt sich das Gesehene und muss einige Schritte zum Papier gehen, dann wird aus der Entfernung kontrolliert.

Long pose

Illustration Julia Bittruf Barcelona 2016

Illustration Julia Bittruf Barcelona 2016

Illustration Julia Bittruf Barcelona 2016

Illustration Julia Bittruf Barcelona 2016

Illustration Julia Bittruf Barcelona 2016

Illustration Julia Bittruf Barcelona 2016

Illustration Julia Bittruf Barcelona 2016

Illustration Julia Bittruf Barcelona 2016

Illustration Julia Bittruf Barcelona 2016

Illustration Julia Bittruf Barcelona 2016

Illustration Julia Bittruf Barcelona 2016

Illustration Julia Bittruf Barcelona 2016

Das Gelernte sollte ich dann in einer langen Akt Pose umsetzen, da ich jedoch nicht jeden Tag am Kurs teilnehmen konnte, lag mein Fokus auf Proportion und Linie mit einer kleinen Variation von Tonwerten.

Kann ich meine Illustrationen verbessern?

Abschließend kann ich sagen… Barcelona Atelier ist nichts für Leute, die einfach gern und aus Spaß Zeichnen, da das Durchhalten der Übungen harte Arbeit ist und nicht besonders viel Spaß macht. Aber für jeden der unbedingt realistisch Zeichnen lernen will, oder das ganze beruflich macht, lohnt es sich auf jeden Fall. Natürlich wäre es optimal die Schule für zwei Jahre zu besuchen. Doch selbst in der kurzen Zeit in der ich in Barcelona war, habe ich sehr viel gelernt und bin motiviert das Gelernte  in meine Illustrationen mit Kugelschreiber zu übertragen.

Barcelona Atelier bietet auch einzelne Stunden oder Wochenkurse an. Alle Lehrer und Mitarbeiter waren kompetent und  sehr freundlich. Sie antworten gerne auf Fragen per mail oder skype.

http://barcelonaatelier.com/

Ich hoffe, dass ich im nächsten Jahr nochmal nach Barcelona gehen kann, denn ich bin sicher es gibt noch einiges zu lernen.

 

Hast Du auch Interesse, Deine Zeichenkünste an einer guten Zeichenschule zu verbessern und Lust auf Barcelona bekommen? Wenn Du mich noch mehr zu meinen Erfahrungen fragen möchtest, schreibe einfach einen Kommentar, ich helfe Dir gerne weiter und gebe Tipps! ;)

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